Bauernhofurlaub
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5 Jahrhunderte Schellen Hof

Unser Hof besteht mindestens seit 1543.

Aus der frühen Neuzeit sind wenige Dokumente erhalten, so dass man nur vage Einblicke in das Hofgeschehen bekommt. Ein schönes, gemaltes Bild ist aus der Nachkriegszeit vorhanden. Seither entwickelte sich der Hof stetig zu einem modernen Milchviehbetrieb bis schließlich im Jahr 2016 eine Neuausrichtung erfolgte: statt Kühe zu melken ziehen wir nun Jungvieh für andere Betriebe groß. Die Forstwirtschaft wird seit jeher betrieben, seit dem Jahr 2000 ist Bauernhofurlaub ein drittes Standbein.
  • Der älteste Hinweis auf den Hof ist aus dem Jahr 1543

    "Schatzungsregister" sind Steuerlisten aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit. Diese Register sind häufig die einzigen Quellen, die aus früheren Zeiten erhalten geblieben sind.
    Der älteste Eintrag in den Schatzungsregistern liegt uns aus dem Jahre 1543 vor. In diesem Jahr hatte Johann Schelle aus "Mengenbracht" ½ Goldgulden an Steuern zu zahlen.¹  Das entsprach dem Wert von zwei Scheffeln Gerste, ca. 56 kg. Unser Hof existiert also mindestens seit dem 16. Jahrhundert. Der Familienname hat sich im Laufe der Zeit nicht verändert.

    Interessante Details liefert eine Viehschatzung aus dem Jahre 1777.²  Zu diesem Zeitpunkt besaß die Familie 3 Pferde, 8 Kühe, 9 Schafe und 2 Ziegen und hatte dafür 3 Reichstaler und 2 Groschen zu entrichten. In dieser Liste sind aus "Meinckenbracht" 14 Höfe verzeichnet, von denen unserer offenbar eine mittlere Größe hatte.

    1801 heiratete Johannes Schelle die Schliprüthenerin Anna Maria Ursula Rhode. Diese beiden bauten ein neues Wohnhaus, das (verändert) auf dem Bild unten zu sehen ist. An die Hausinschrift, die bis ins 20. Jahrhundert erhalten blieb, konnte sich unsere Tante Adele, die im Jahr 1918 geboren ist, noch gut erinnern:

    Wir haben o Herr gelitten durch einen schweren Donnerschlag. Durch Agatha wir bitten um deine Mildigkeit. Im Vertrauen auf Gott haben wir beide Eheleute Johannes Schelle und Ursula Schelle, geb. Rhode, dieses Haus erbauet.

    Diese Inschrift lässt annehmen, dass das vorher bewohnte Gebäude bei einem Gewitter abgebrannt war. 
    Quellen:
    ¹ Die Bevölkerung des kurkölnischen Sauerlandes 1543, Stadtarchiv Arnsberg, E, 16
    ² Stadtarchiv Arnsberg, Viehschatzung IV A 21,  1777, S. 55

    Bauer Jupps Großeltern

    Josef Schelle (16.02.1875-1964) heiratete im November 1905 die Altenhellefelderin Maria Theresia Otte (02.12.1882-1955). Die beiden bekamen 10 Kinder. Josef war Landwirt durch und durch. Er hing an den Tieren, arbeitete gern und erwartete Mithilfe von allen Söhnen und Töchtern. Faule Ausreden ließ er nicht gelten. Er war ein humorvoller Mensch, der gerne feierte.
    Seine Frau war eine liebevolle Mutter, die mehrfach schwer erkrankte, sich aber immer wieder erholte. Beide erreichten ein hohes Alter.

    Als 1914 Jupps Vater Konrad als 6. Kind geboren wurde, hielt sich die Freude offenbar in Grenzen. Die Eltern hatten auf ein Mädchen gehofft - kein Wunder: ein Sohn und die einzige Tochter wuchsen bei kinderlosen Verwandten auf, wie es früher auf den Höfen eine übliche Praxis war. Zu Marias Freude folgten noch 3 Mädchen - als Jüngste die oben zitierte Adele.

    Hof und Ernte in den 30er Jahren

    Unser Hof während des Zweiten Weltkriegs

    Während des zweiten Weltkriegs wurde unser Hof nur leicht beschädigt. Trotzdem war es eine schlimme Zeit für unsere Familie und besonders für unseren Opa, der 10 Jahre seines Lebens im Krieg verbrachte. Was wir darüber wissen, führt an dieser Stelle zu weit. Doch sollte die Kriegszeit nicht vergessen werden. Bei Interesse lesen Sie hier weiter.

    Unser Hof in den 50ern

    Schellen Hof gemalt von
    Hermann Springborn


    Dieses Bild hängt im

    Eingangsbereich des Ferienhauses. 

    Dieses Bild zeigt den Hof in den 1950er Jahren. Das Bild entstand durch den Maler H. Springborn, der nach dem Krieg mittellos durch das Land zog und Bilder von Höfen gegen Kost und Logis malte. Aus seiner Perspektive (von der Straße aus) schaut man auf das Gebäude, an dessen Stelle das heutige Ferienhaus steht. Links liegt eine Remise, in der Mitte ist das Wohnhaus erkennbar, im rechten Teil des Gebäudes befanden sich Stallungen. 

    "Gastfreundschaft war immer schon Schellen Art"

    Bauer Jupps Eltern

    Nach 10 Jahren Krieg und Kriegsgefangenschaft in Russland kehrte Konrad 1949 als letzter Meinkenbrachter zurück.
    Zwei Jahre später am 31. Juli 1951 heiratete er die Schürenerin Maria Gast (*8.3.1923)

    "Säu luie niu iätet und drinket uch saat!
    Gastfreundschaft war immer schon Schellen Art. Nun erst recht, wo er sich mit ner Gast gepaart. Den Brautleuten aber: "Viel Glück op den Pad!"

    Hochzeitszeitung Maria & Konrad 31. Juli 1951

    Hochdeutsch:
    So, Leute, nun esst und trinkt euch satt! Gastfreundschaft war immer schon Schellen Art. Nun erst recht, wo Konrad sich mit ner "Gast" gepaart. Den Brautleuten aber: "Viel Glück auf dem Pfad (Lebensweg) !"

    Konrad beim Pflügen im Herbst 1957

    1956 bauten Konrad und Maria Schelle das jetzige Wohnhaus. In diesem Zuge wurde die Remise abgerissen und der Stall erweitert, so dass das gesamte rechte Gebäude des obigen Bildes nun als Stall genutzt wurde.
    15 Kühe, deren Kälber, 5 Sauen mit Ferkeln und 15-20 Hühner fühlten sich darin wohl. Zudem gab es ein Pferd, die Marlies. Neben der Landwirtschaft war die Forstwirtschaft ein wichtiges zweites Standbein.

    Bauer Jupp mit Vater Konrad Anf. der 60er

    30 Milchkühe in den 80er Jahren

    Konrad beim Melken im Anbindestall
    1976, als Bauer Jupp 20 Jahre alt war, war ein neuer Stall zur Mast von ca. 50 Bullen sein erstes Bauprojekt, natürlich mit tatkräftiger Unterstützung seines Vaters Konrad. Zwei Jahre später wurde der alte Stall, in dem die Tiere auf Mist standen, umgebaut. So ist ein Anbindestall mit Gummimatten und „Güllekump“ entstanden, in dem wir 30 Milchkühe halten konnten. Zum Melken wurden 4 mobile Melkzeuge aus der „Milchküche“ von Kuh zu Kuh getragen und an Milchleitungen angeschlossen. Durch diese wurde die Milch in den 1200 Liter Tank gepumpt und alle zwei Tage morgens um 6 von der Molkerei abgeholt. So begann der Arbeitstag frühmorgens um 4 Uhr. Im Sommer wurden die Kühe täglich die Dorfstraße hinunter zum Weiden auf die Hegge getrieben bis Opa Konrad dann am Nachmittag „Muis komm, Muis komm“ rief (plattdeutsch für: Kühe kommt) und sie wieder in den Stall holte.

    Wie es früher war

    Alle Meinkenbrachter Bauern brachten ihre Kühe im Sommer jeden Tag auf die Weide. Da Kühe ihren Kot willkürlich fallen lassen und zudem Dreck und Matsche auf die Straße trampelten, können Sie sich vorstellen, wie die Dorfstraße damals aussah...
    (Der Sunderaner Ortsteil Hagen wurde aus diesem Grund "Kuhschiss-Hagen" genannt.)
    Jede Kuh kannte "ihren Platz" im Stall und begab sich abends direkt dorthin.
    Der "Futtertisch" war nicht mit dem Trecker befahrbar. Alles musste "von Hand" auf rollbaren Wagen oder in Karren dorthin gezogen und geschoben und dann mit der Forke verteilt werden.

    Bau des Boxenlaufstalls Anfang der 90er

    Große Veränderungen auf dem Hof gab es 1990 durch den Bau des Boxenlaufstalls, der 60 Milchkühen und Jungvieh Platz bot. Im Tandem-Melkstand mit Lockfütterung konnten 6 Kühe gleichzeitig maschinell gemolken werden. 3000 Liter fasste der Milchtank. Über Transponder, die zunächt an einem Halsband, später an den Füßen der Kühe befestigt waren, wurden kuhbezogene Daten, wie Milchmengen, Aktivität u.ä., auf dem Computer gespeichert. Auch die zusätzliche Fütterung mit Kraftfutter wurde über die Tranponder gesteuert und für jede Kuh individuell angepasst. Später konnten wir in einer hochmodernen Anlage 14 Kühe gleichzeitig im Fischgräten-Melkstand melken und bis zu 4200 Liter im Milchtank kühlen.

    Bau des Ferienhauses - Fertigstellung im Jahr 2000


    Das fast 200 Jahre alte, sehr baufällige Gebäude des alten Kuhstalls haben wir 1999 abgerissen und das Ferienhaus an dieser Stelle errichtet. Drei komfortable Wohnungen, Gemeinschaftsraum, Spielkeller und Wellnessbereich wurden im Dezember 2000 zum ersten Mal bezogen und laden seither Gäste zum Bauernhofbesuch ein. Seit Juli 2002 vermieten wir eine weitere Wohnung, die im Dachgeschoß unseres Wohnhauses liegt.

    Dachgeschossausbau 2014

    Im Jahr 2014 stand der Ausbau des Dachgeschoßes zu zwei weiteren Ferienwohnungen an. Die 60m² großen Wohnungen mit Balkon bieten einen weiten Blick ins Grüne. Sie sind modern eingerichtet und durch die Fichtenholzdecken sehr behaglich. Beide Wohnungen wurden mit 5 Sternen ausgezeichnet.

    Neuausrichtung: Jungviehaufzucht

    Im Jahr 2016 haben wir uns entschieden die Milchwirtschaft zu beenden und stattdessen die Aufzucht von Kälbern und Jungrindern zu focussieren. So entfällt das arbeits- und zeitintensive Melken, alle anderen landwirtschaftlichen Abläufe bleiben jedoch erhalten.
    Zusätzlich haben wir Hühner angeschafft, die im "Tankraum" (dort stand der große Milchtank) einen geräumigen Hühnerstall erhalten haben.
    Neu sind auch mehrere Rinder der Rasse "Aubrac", bei denen die Kälber bei den Mutterkühen aufwachsen.

    Alles was man im Leben lernen kann, ist in 3 Worte

               zu fassen: es geht weiter!           (Schiller)

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